Trauma

Bitte prüfen Sie sorgsam für sich, ob Sie mehr über das Thema Trauma erfahren möchten, oder ob es Sie momentan vielleicht zu sehr belasten könnte.

"Trauma ist eine Tatsache des Lebens. Aber Trauma muss keine lebenslange Haftstrafe sein. Transformiertes Trauma führt uns zu mehr Ganzheitlichkeit, Mitgefühl und Belastbarkeit."

Dr. Peter Levine, Biophysiker und Psychologe

Was verstehen wir unter Trauma?

  • Posttraumatische Belastungsstörung

Manchmal sind Menschen einem schockierenden Erlebnis ausgesetzt, das ihre Kapazität zur Verarbeitung übersteigt.

Extreme Belastungssituationen können beispielsweise eine Naturkatastrophe, ein schwerer Unfall, eine Gewalttat oder eine immense Verlusterfahrung sein.

Wenn die Betroffenen auch nach Monaten noch unter den Folgen dieses einmaligen Ereignisses leiden, sprechen wir von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

  • Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

Handelt es sich nicht um ein einmaliges Ereignis, sondern kommt es wiederholt und über einen langen Zeitraum zu Traumatisierungen, dann kann das zu tiefgreifenden seelischen Verletzungen führen, die mitunter auch danach noch jahrelang Symptome verursachen.

In diesem Fall lautet die Diagnose Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung.

  • Entwicklungstraumata

Sind Menschen schon in ihrer Kindheit einem langen Prozess von Gewalt, Hilflosigkeit oder Unterdrückung ausgesetzt, kann das zu Entwicklungstraumata führen.

Da die Täter oft aus dem familiären Umfeld stammen, geht dies meist mit der Entstehung von Bindungstraumata einher.

Die Betroffenen leiden dann unter schwerwiegenden Einschränkungen in der Beziehung zu sich selbst, ihrem Körper und ihren Bezugspersonen.

Was können Anzeichen für eine PTBS sein? 

  • vegetative Übererregtheit (Hypervigilanz)

  • Schlaflosigkeit, Schreckhaftigkeit

  • Konzentrationsstörungen, Gereiztheit

  • Flashbacks, sich immer wieder aufdrängende Erinnerungen

  • emotionaler und sozialer RückzugTeilnahmslosigkeit

  • Dissoziation

  • Verlust an Lebensfreude, Vermeidungsverhalten

  • depressives Verhalten, Untererregung (Hypovigilanz) 

Bei der Komplexen PTBS kann es zusätzlich zu den oben genannten Symptomen noch zu erheblichen Beeinträchtigungen des Erlebens, Denkens, Fühlens und auch der Interaktion mit der Umwelt kommen.

Welche somatischen Auswirkungen haben Traumata?

Das Trauma ist nicht im Ereignis, sondern neurophysiologisch im Nervensystem gespeichert.

Der Körper trägt die Last des Traumas.

Das kann zu körperlichen Symptomen führen, wie zum Beispiel

  • Fibromyalgie

  • chronische Erschöpfung

  • Magen-Darm Beschwerden 

  • Autoimmunkrankheiten.

 

Wie können sich frühe Traumata auf die Reifung des Gehirns auswirken?

Welche gewichtigen Folgen auf die Gehirnentwicklung und die Neurophysiologie bei traumatische Erlebnisse für die betroffenen Menschen haben können, lässt sich in den letzten 20 Jahren ​durch bildgebende Verfahren wie dem MRT (Magnetresonanztomograph) und durch funktionale Gehirn-Scans immer mehr erforschen und belegen. 

Jüngste Studien zeigen, wie Entwicklungstraumata im Kindesalter den Aufbau und die Reifung des Gehirns beeinflussen können, zum Beispiel durch Veränderungen im medialen präfrontalen Kortex, der Amygdala und dem Thalamus. 

Die Fähigkeit zur Interozeption und Selbstwahrnehmung kann dadurch beeinträchtigt sein.

Funktionale Gehirnscans belegen bei den Betroffenen eine verringerte Aktivität der interozeptiven Pfade im Gehirn. Dies kann eine Erklärung dafür sein, warum es bei ihnen zu einer Beeinträchtigung des fühlenden Selbst kommen kann. 

Es gibt auch Anzeichen dafür, dass die Entwicklung eines robusten Frontallappens, der eine

bewusste Beobachterposition ermöglicht, dadurch erschwert wird.

Was bedeutet Trauma für die Beziehung zum eigenen Körper?

Trauma ist im impliziten, prozeduralen Gedächtnis gespeichert. Das kann Folgen für die Beziehung zum eigenen Selbst haben und auch zu einer Beeinträchtigung im Erleben des eigenen Körpers führen. Aus Angst vor einer Retraumatisierung vermeiden die Betroffenen mitunter somatische Empfindungen, ohne dass es ihnen bewusst wird.

Als Schutzmaßnahme entwickeln sie unter Umständen sogar eine Körperphobie.

Diese Art der Dissoziation geschieht unwillentlich und ist der Versuch, durch die Abspaltung nicht mit dem Traumamaterial in Kontakt zu kommen.

Diese Überlebensstrategie kann einst sehr sinnvoll gewesen sein, um vom Geschehen nicht überwältigt zu werden. Jetzt hindert sie die Klient*innen aber womöglich daran, sich lebendig zu fühlen und sich weiter zu entwickeln. 

 

Welche Möglichkeiten bietet hierbei die trauma-sensitive Körpertherapie?

Hier setzt die trauma-sensitive Körpertherapie an. Ihre Herangehensweise ist, die Betroffenen auf behutsame Weise wieder in eine lebendige Verbindung zu ihrem Körper und zu sich selbst zu bewegen.

Dies geschieht u.a. dadurch, dass die Klient*innen über Stabilisierungstechniken lernen, sich in ihrem Stresstoleranzfenster zu bewegen. Auf diese selbstfürsorgliche Weise können die traumatischen Erlebnisse nach und nach verarbeitet und integriert werden.

"Körperliches Selbstgewahrsein ist der erste Schritt auf dem Weg zur Befreiung von der Tyrannei der Vergangenheit."

Bessel van der Kolk, niederländischer Psychiater

 

Hier finden Sie weitere Ausführungen zur Polyvagal-Theorie.

Hier erfahren Sie mehr zur Epigenetik und Neuroplastizität.