Wirkungsweise von Qigong

Allgemeine Wirkungen von Qigong

 

Durch mehrjährige klinische Beobachtungen konnte die regulierende Wirkung des Qigong

auf diese Systeme festgestellt werden:

  • Atemsystem

  • Herz-Kreislaufsystem 

  • Verdauungsapparat

  • Nervensystem

 

Neben einem positiven Einfluss auf die Beweglichkeit der Gelenke wurde durch regelmäßiges 

Üben auch eine Stärkung der Abwehrkräfte beobachtet.

Aktivierung der Beobachtungsfähigkeit

 

​Zu Beginn einer Übungsfolge begeben wir uns in einen ruhigen und präsenten Modus.

Diese kontemplative Haltung des  "In die Ruhe treten" wurde wissenschaftlich mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) und biochemischen Analysen untersucht.

Dabei konnte festgestellt werden, dass die Großhirnrinde durch diese Übung aktiviert und in einen positiven Kontrollzustand versetzt wird.

 

Entspanntes Fokussieren

 

Beim Praktizieren des Qigong vermögen wir gleichzeitig entspannt und ganz wach zu sein. Dieser erstrebenswerte Zustand kann eine regulierende und reparierende Wirkung auf geistige und nervliche Funktionen haben, wie wir sie auch bei der Meditation finden.

Die fokussierte Aufmerksamkeit von Meditierenden bleibt allerdings weitgehend ein kognitiver Prozeß und der Körper dabei passiv.

 

Neuronale Vernetzung

 

Beim Qigong beziehen wir auch den Körper mit ein und verstärken so unsere Interozeption -die Beobachtungsfähigkeit für unsere inneren viszeralen Prozesse.

Qigong als jahrtausendealte Bewegungskunst vermag sowohl einen meditativen Zustand als auch ein aufmerksames Gewahrsein herzustellen. 

Diese besondere Art der Innenschau bahnt somit Wege für die kortikale Repräsentation unseres verkörperten Ichs. Erst durch diese neuronale Verortung in der Hirnrinde können wir uns bewusst als Selbst verkörpert wahrnehmen.

Fähigkeit zur Interozeption bei frühen Traumata

 

Die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und zur Interozeption kann bei einer Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung beeinträchtigt sein. Das haben Untersuchungen ergeben, die eine verringerte Aktivität u.a. des medialen Präfrontalkortex und des Thalamus (Bestandteile der interozeptiven Pfade im Gehirn) bei traumatisierten Menschen feststellten.

Gehirnentwicklung

 

Durch frühen und anhaltenden traumatischen Stress kann das Gehirn in seinem Aufbau und seiner Reifung geschädigt werden. Dies führt auch zu einer Beeinträchtigung des fühlenden Selbst. Es besteht ebenfalls die Gefahr, dass die Entwicklung eines robusten Frontallappens, einer bewussten Beobachterposition, dadurch erschwert wird.

Dissoziation und Achtsamkeit

 

Gerade für traumatisierte Menschen kann es schwierig sein, zu meditieren.

Ohne eine bewusste Beobachterposition, die ihnen vermittelt, dass Gedanken und Gefühle 

nur Gedanken und Gefühle sind, können sie im meditativen Zustand unter Umständen vom Trauma-Material überwältigt werden.

Die Betroffenen geraten dann in der Meditation womöglich in einen Zustand, als würden sie wieder in das Traumageschehen hineingezogen. Das birgt die Gefahr, dass sie sich unbewusst in die Dissoziation flüchten und das Geschehen innerlich abspalten.

Vorteile von Qigong im Vergleich zur Meditation

 

Beim Qigong beziehen wir in der fokussierten Aufmerksamkeit auch den Körper mit ein. 

Als Distanzierungstechnik kann der Aufbau einer körpergestützten Beobachterposition vor der Überflutung mit traumatischen Gefühlen schützen. 

Dies wird möglich, indem sich die Betroffenen durch ihr Körpergewahrsein auf das "Hier und Jetzt" konzentrieren.

Aus emotionalen Belastungszuständen vermögen sie durch Bewegungen tatsächlich herauszutreten. Während sie weiter üben, können sie ihre Aufmerksamkeit auf entspannte oder zumindest neutrale Körperregionen leiten und so auch schwierige Zustände selbstwirksam halten.

 

Stärkung der Selbstregulation durch Qigong

 

Neuste wissenschaftliche Ergebnisse der Hirnforschung geben Anlass zur Hoffnung, dass sich die Verankerungen des Traumas im Nervensystem auflösen lassen. Dabei spielt der körperorientierte Ansatz eine entscheidende Rolle, um Einfluss auf die neurophysiologischen Manifestationen von Traumata nehmen zu können.

Traumasensitives Qigong

 

Von daher eignet sich trauma-sensitives Qigong sehr gut als körperliche Erfahrungsquelle für betroffene Menschen zur Stärkung ihrer Selbstregulationsfähigkeiten und zum körperbasierten Aufbau einer Beobachterposition. 

Um nicht mehr im Trauma stehen zu bleiben, sondern wieder in den eigenen Lebensfluss zu

kommen, sind die fließenden achtsamen und leicht zu erlernenden Bewegungen des Qigong ein geeigneter Weg. 

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